Warum veröffentlichen?

Zwei Minuten Lesezeit. Veröffentlicht am 18. Januar 2013.

Eine Freundin fragte mich neulich:

Wieso ist es so unglaublich wichtig, dass man seine Sachen [die man geschrieben/gemalt/komponiert hat] veröffentlicht? Wieso kann man nicht für sich malen etc.?

Das habe ich mich vor kurzem selbst erst kritisch gefragt. Ein kleiner Teil von mir fragt sich das zwar auch noch immer, denn es ist irre schwer, von dieser Einstellung loszukommen, aber ich habe vor, das vollständig hinter mir zu lassen, und alles zu veröffentlichen.

Aber warum? Warum kannst du das Gedicht, das Bild, die Melodie nicht einfach nur für dich behalten, und solltest es stattdessen veröffentlichen?

Weil es um dich selbst geht: Wenn du dein Werk niemandem zeigst, dann ist es nicht passiert. Es wird sonst nicht zur sozialen Wirklichkeit, selbst wenn du vielleicht glaubst, dass es dir egal ist was andere darüber denken.

Du hast endlich geliefert: Es gibt keine Ausreden mehr, vor allem dir selbst gegenüber, wie „nee, ist noch nicht fertig“, oder „ist doof“, oder „ist hässlich“ (dass sich alles fast immer mit „ist mir peinlich“ zusammen fassen lässt).

Du kannst dein Werk nicht mehr ändern, und es bekommt eine Bedeutung, die sich der eigenen nach und nach entzieht. Es ist dir nicht mehr möglich, dass du dich länger hinter einem Ausdruck deines Wesens, deines Ichs versteckst, indem du es, und damit dich, vor der Welt versteckst. Mehr noch, du kannst dich nicht mehr vor dir selbst verstecken. So kannst du darauf aufbauen, und das nächste Werk erschaffen.

Zwangsläufig trifft man durch die Veröffentlichung natürlich auf Menschen, die einem das eigene Werk vor Augen halten. Sie können es scheiße finden (dann hast du einen Orientierungspunkt, was auch immer du daraus machst), oder sie können es vielleicht auch toll finden (was genauso ein Orientierungspunkt sein kann). Das wird dir häufig genug nicht leicht fallen und dir unangenehm sein, und du hast vielleicht sogar Angst davor verletzt zu werden.1 Aber wie sonst willst du erkannt werden für das, was du bist? Du bist schließlich das, was du tust, aber die Bedeutung davon kannst du dir nicht selbst beimessen.

Denn einher damit geht der innere Monolog, den du dir häufig genug selbst hältst, wenn du durch die Welt gehst: „klar kann ich das auch“. Wenn du etwas siehst, hörst, oder liest, und du denkst, „das könnte ich auch“, oder „zuhause habe ich das doch auch“. Oft genug hast du ein Gefühl von Eifersucht, dass dich dabei überkommt. Ja, du könntest, oder du hättest. Hast du dann aber am Ende des Tages nicht. Es ist ja nicht wahr geworden.

Ich hatte vor einiger Zeit „How to stop sucking and be awesome instead“ von Jeff Atwood gelesen, das er in den folgenden drei Punkten zusammen fasst, und gut zu dem Thema passt:

  1. Embrace the Suck
  2. Do It in Public
  3. Pick Stuff That Matters

Mir sind meine alten Texte noch immer irgendwie unbequem. Und trotzdem ärgere ich mich, dass ich nicht früher zu ihnen gestanden und sie veröffentlicht habe. Das hätte mir einen professionelleren Umgang mit meinen eigenen Texten schon viel früher erlaubt: In der vertanen Zeit habe ich ein wenig verlernt zu schreiben.

Auch deshalb mache ich das in aller Öffentlichkeit. Und nebenbei ist einer der schönsten Effekte, dass man ein wenig Verantwortung für die eigenen Handlungen übernimmt.

Lesetipp

  1. Es zu veröffentlichen bedeutet ja nicht, dass man es jedem unter die Nase reiben muss. Oder überhaupt sollte. ↩︎