Wie du Vertrauen aufbauen und halten kannst

Fünf Minuten Lesezeit. Veröffentlicht am 16. November 2018.

Nichts bindet Menschen mehr aneinander. Und dabei ist Vertrauen keine knappe Ressource. Wir müssen sie allerdings aufbauen und halten.

Warum Vertrauen so wichtig ist

Besonders im Umgang mit Freunden und Menschen, die wir lieben und von denen wir geliebt werden, merkst wir, wie sehr es uns Vertrauen ermöglicht, gesund und erwachsen mit ihnen umzugehen, und uns selbst wachsen zu lassen, weil wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen können.

Wenn wir uns fragen, ob unsere Freunde und Partner für uns da sind, ist oft nicht die Frage, ob sie es physisch sind, sondern ob sie es emotional sind. Hören sie uns zu und unterstützen sie uns? Reagieren sie mitfühlend auf unsere Probleme, Ängste und Sorgen? Interessieren sie sich für und sorgen sie sich wirklich um uns?

Vertrauenswürdige Menschen sind in der Lage Rücksicht und Fürsorge gegenüber anderen zu zeigen. Und das bedeutet auch, dass sie uns zutrauen selbst zu entscheiden, was am besten für uns ist. Menschen, die uns sagen, was sie denken, was am besten ist, oder die uns sagen, dass wir nicht wissen, wie wir uns wirklich fühlen, zeigen uns nur, dass sie uns nicht vertrauen.

In einer gesunden Beziehung können wir darauf vertrauen, dass was auch immer zur Sprache kommt, wir uns darauf verlassen können, dass die Reaktion von unserem Gegenüber uns nicht in unserer Sicherheit bedroht oder uns gar verletzt. Jeder Mensch verdient es solche Beziehungen zu haben in denen Konflikte in einer gesunden und respektvollen Art gelöst werden.

Wenn unsere Freunde und Partner konsistent in dem sind, was sie tun und wie sie handeln, zeigen sie ebenfalls ihre Vertrauenswürdigkeit, die oft schon in kleinen Dingen wie Pünktlichkeit anfängt und sich darin zeigt, private Dinge nur zwischen ihnen und uns zu bewahren und die jeweiligen Grenzen zu respektieren. Sie sind starke Hinweise dafür, dass sie zuverlässig sind. Diese Dinge in Beziehungen zu lernen passiert nach und nach, da wir erst nach und nach zeigen, dass wir konsistent in unseren Handlungen sind, die ganze Zeit, und nicht bloß gelegentlich, und sie so Vertrauenswürdigkeit untermauern.

Auch wenn wir uns nicht fragen müssen, ob unsere Freunde und Partner wirklich sagen, was sie denken, und tun, was sie sagen, beweisen sie uns damit ihre Vertrauenswürdigkeit: Wenn ihre Worte und ihr Verhalten passen. Wenn uns eine Person sagt, dass sie uns liebt, und sie sich ausfallend oder gar missbräuchlich uns gegenüber benehmen, dann stimmen ihre Worte und Handlungen nicht. Wenn uns jemanden liebst, dann verletzt uns dieser Mensch nicht.

Ohne Vertrauen, das diesen Versprechen und ihren Handlungen zu Grunde liegt, kommen unsere Beziehungen mit viel Reibung zum Erliegen.

Wie kannst du dieses Vertrauen aufbauen — und halten?

Vertrauenswürdig werden

Wir sind als Menschen so verdrahtet, dass wir nach vertrauenswürdigen Menschen Ausschau halten, und dass wir andere Menschen testen, ob wir ihnen vertrauen können. Allerdings ist der erste Schritt dabei selbst vertrauenswürdig zu werden. Wenn du dir Mühe gibst ein Mensch zu sein, dem andere Menschen vertrauen, dann werden Menschen, denen du selbst vertraust, sich in deiner Nähe aufhalten. Du musst dafür deine Versprechen halten: Das sicherste Zeichen einer vertrauenswürdigen Person ist, dass sie ihre Versprechen hält. Selbst kleine oder triviale Versprechen tragen maßgeblich dazu bei, wie andere Menschen dich einschätzen, wie und ob du die großen Versprechen hältst.

Sich an Versprechen an sich selbst halten

Eine der Schwächen von uns Menschen ist es, dass wir auf Tugenden bei anderen Menschen bestehen, die wir in uns selbst nicht entwickeln. Versprechen an dich selbst zu halten korreliert mit Willenskraft und Selbstbeherrschung, und diese Tugenden sind unumgänglich und grundlegend um selbst vertrauenswürdig zu sein. Selbst kleine Übungen, wie sich Mühe zu geben pünktlich zu sein, helfen dir nach und nach dabei.

Sich zu wenig verpflichten und mehr liefern

Du darfst nur Versprechen machen, von denen du weißt, dass du sie halten kannst. Oft versprechen wir mehr als das, was wir wirklich liefern können, weil wir wollen, dass uns andere Menschen lieben und respektieren. Nur leider ist einer der schnellsten Wege Liebe und Respekt zu verlieren der, in dem du deine Versprechen nicht hältst. Es hilft dir selbst, wenn du jedes deiner Versprechen, dass du machst, aufschreibst, egal wie trivial es erscheinen mag. Auf diese Weise kannst du sie nicht nur „verwalten“, sondern auch für dich selbst ehrlich nachvollziehen, wie gut du sie wirklich hältst.

Bereit sein Versprechen zu machen

Eine der Strategien, die notorisch unzuverlässige Menschen anwenden, ist sich zu weigern überhaupt Versprechen zu machen. Die trügerische Annahme liegt darin, dass wenn du keine Versprechen machst, sie schließlich auch nicht brechen kannst. Menschen durchschauen diese Strategie in der Regel schnell, und darüber hinaus bewerten wir diese Personen nicht nur als unzuverlässig, sondern auch noch als unentschlossen. Sich zu weigern eine Entscheidung zu treffen ist schließlich auch eine Entscheidung.

Die persönliche Marke schützen

Wenn du an Marken denkst, denkst du oft an etwas, dass zu einem Unternehmen gehört, aber auch wir Menschen haben eine persönliche Marke. Und deshalb musst du dich regelmäßig selbst fragen, „Wie betrifft diese Entscheidung meine persönliche Marke?“ Denn alles, was du tust oder auch nicht tust, betrifft diese Marke, und langfristig ist dein Ruf dein wertvollstes Kapital.

Mehrdeutigkeit vermeiden

Nichts untergräbt Vertrauen mehr als Mehrdeutigkeit. Wir nutzen Phrasen wie „Ich werde es versuchen“ um eine glaubhafte Abstreitbarkeit zu gewährleisten, wenn wir es nicht schaffen uns an unsere Versprechen zu halten. Viele Probleme rund ums Hörensagen werden durch mehrdeutige Versuche der Beteiligten verursacht, nur damit sie nicht in Verantwortung genommen werden. Du kannst sie im Vorfeld dadurch vermeiden, dass du und die beteiligten Personen im Vorfeld klar und spezifisch kommunizieren, wer wem was zu wann verspricht.

Andere Menschen nicht fragen lassen müssen

Wenn du andere Menschen dazu bringst, dass sie dich um ein Versprechen abringen müssen, dann hast du bereits die Hälfte deiner Glaubwürdigkeit verspielt. Nichts schafft mehr Vertrauen als deine Verpflichtungen vorausschauend zu sehen und sie unaufgefordert zu erfüllen: Eine Schuld, die du zurückzahlst, bevor sie fällig wird, bringt dir massiv Vertrauen ein.

Kommunizieren

Niemand kann sich an all seine Versprechen halten. Es gibt nur keine Ausrede dafür, dass du nicht kommunizierst, wenn du eines vielleicht nicht halten kannst. Oft vermeiden wir es das zu kommunizieren, weil es uns peinlich ist oder weil wir ungern zugeben einen Fehler gemacht zu haben. Allerdings führt das nur dazu, dass andere Menschen von dir denken, dass du nie die Absicht hattest dein Versprechen überhaupt zu erfüllen, und vielleicht sogar schlimmer, dass du gehofft hast, dass sie es nicht bemerken würden. Deshalb musst du regelmäßig über den aktuellen Stand deiner Versprechen informieren: Wenn alles nach Plan läuft, vermeidest du es, dass sich andere sorgen müssen, und wenn es nicht nach Plan läuft, dass sie so noch Zeit für Alternativen haben.

Hinter das Ziel zielen

Du kannst unmöglich vertrauenswürdig im größeren Rahmen sein, wenn du in deinem Alltag bereits unzuverlässig bist. Vertrauen ist keine Strategie oder gar eine Taktik, sondern ein Nebenprodukt dessen, wenn du an dir arbeitest und nach etwas Größerem strebst. Und wenn du umgekehrt Vertrauen nur für seinen egoistischen Nutzwert alleine schätzt, wirst du in deinen Bemühungen scheitern.


Vertrauen ist das stärkste Kapital, das es gibt. Nichts bindet Menschen mehr aneinander. Und dabei ist Vertrauen keine knappe Ressource. Aber auch, wenn Vertrauen keine knappe Ressource ist, ist sie eine sehr zerbrechliche. Einmal verschwendet kann es unter Umständen unmöglich sein, es wieder herzustellen.