Datenschutz und Überwachung: Regierungen vs. Firmen

Eine Minute Lesezeit. Veröffentlicht am 17. April 2012.

In einem Gespräch mit einem Freund über die immer aktueller werdende Debatte über Überwachung, Privatsphäre, und Datenschutz merkte ich an:

Ich werde die aktuelle Diskussion um Datenschutz nie so recht verstehen. Es werden Dinge gesagt wie „Menschen nutzen Facebook, aber beschweren sich über staatliche Überwachung!“ (oder umgekehrt, oder beides, oder gar nichts davon), als wäre es dasselbe.

Die Sache ist die, für mich sind das von der Intention her zwei grundlegend verschiedene Dinge: Firmen wollen „nur“ dein Geld, und interessieren sich für dich kaum als Person; eher, wer du gerne sein würdest. Regierungen, auf der anderen Seite, interessieren sich für dich als Person, wer du bist.

Und während Firmen alles tun, um dich in deinen Aktivitäten zu unterstützen (und sie auszuspionieren), um den höchsten individuellen Werbewert zu finden (um dir das meiste zu verkaufen), wollen Regierungen das Gegenteil: jedes Zeichen von abweichendem Verhalten bereits im Keim ersticken.

Wenn ich mir das so recht überlege, würde wohl eine deutlich ergiebigere Diskussion stattfinden können, wo die Grenzen da liegen, wenn beides differenziert wird. Das stellt „ich habe nichts zu verbergen“ und „das geht dich nichts an“ auch in einen besseren Kontext. (Probleme entstehen allerdings wirklich, wenn diese beiden „Intentionen“ gemischt werden.)

Als Nebenbemerkung: Das erinnert mich stark an Amusing Ourselves to Death. Es sieht so aus, dass wir — zumindest in der westlichen Hemisphäre — bei Überwachung an 1984 denken, während wir uns in Brave New World–Aktivitäten üben (wahrscheinlich haben beide Autoren recht; außerdem ist es keine Verschwörung1).

  1. Steve Jobs: Wenn du jung bist, schaust du dir das Fernsehen an und denkst: Es gibt eine Verschwörung. Die Sender haben sich verschworen, um uns zu verblöden. Aber wenn du etwas älter wirst, merkst du, dass das nicht wahr ist. Die Sender sind im Geschäft, um den Leuten genau das zu geben, was sie wollen. Das ist ein viel deprimierenderer Gedanke. Verschwörung ist optimistisch! Du kannst die Bastarde erschießen! Wir können eine Revolution haben! Aber die Netzwerke sind in Wirklichkeit im Geschäft, um den Menschen das zu geben, was sie wollen. Das ist die Wahrheit. ↩︎